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Konzentration - Hyperkinetische Störung - AD(H)SDie Hyperkinetische Störung, weitläufig auch als ADHS bekannt, ist ein Störungsbild, das aufgrund seiner Auffälligkeit und seiner Vorkommenshäufigkeit sowie nicht zuletzt aufgrund seiner Prognose gegenwärtig Eltern, Pädagogen, Psychologen und Ärzte gleichermaßen beschäftigt. Laut ICD-10, dem in Deutschland verwendeten Klassifikationssystem, ist diese Störung durch Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung, Ablenkbarkeit), der Aktivität (Hyperaktivität, motorische Unruhe) und der Impulskontrolle (Impulsivität) gekennzeichnet. Dabei sollten die beeinträchtigenden Symptome von Überaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit situationsübergreifend auftreten, bereits vor dem siebten Lebensjahr begonnen haben und sich in zwei oder mehreren Lebensbereichen bzw. Situationen (z.B. im Kindergarten, in der Schule, zu Hause, in der Untersuchungssituation) manifestieren. Weiterhin müssen die Störungen der Aufmerksamkeit, der Aktivität und der Impulskontrolle über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten und in solch einem Ausmaß vorhanden sein, das es zu einer Fehlanpassung führt und soziale, schulische oder berufliche Funktionsbereiche beeinträchtigt. Auch muss das durchgehende Muster der drei Leitsymptome schwerwiegender als bei Personen der gleichen Entwicklungsstufe sowie dem Entwicklungsstand des Kindes/Jugendlichen nicht angemessen sein. Die folgenden obligaten Symptomkriterien sollen einen Überblick über den Facettenreichtum der hyperkinetischen Störung geben. Unaufmerksamkeit:
Hyperaktivität:
Impulsivität:
Zusätzliche, sogenannte fakultative Symptome dieses Störungsbildes sind: Koordinationsstörungen, motorisches Ungeschick, Leistungsprobleme, Lernstörungen sowie Störungen des sozialen und emotionalen Verhaltens, wie z.B. Frustrationsintoleranz, Aggressivität, Selbstunsicherheit. (Ettrich, 1998)
Nach ICD-10 können wir die folgenden Arten der Hyperkinetischen Störung unterscheiden:
Im amerikanischen DSM-IV wird die Störung als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung [ADHS] bezeichnet und in drei Subtypen unterteilt:
Bei Jugendlichen oder Erwachsenen, die nicht mehr alle notwendigen Symptome für eine Diagnose zeigen, kann nach DSM-IV durch den Zusatz "in partieller Remission" oder "teilremittiert" spezifiziert werden. Wie bereits erwähnt, setzen beide Klassifikationssysteme das Auftreten der hyperkinetischen Symptome in mindestens zwei Lebensbereichen voraus. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass diese unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. In Anforderungssituationen, wo von den Kinder und Jugendlichen eine längere Aufmerksamkeitsleistung abverlangt wird (z.B. im Unterricht oder bei Hausaufgaben), ist ein stärkeres Auftreten der Symptome typisch und nachvollziehbar. In Situationen wo das Kind oder der Jugendliche lustbetonten Aktivitäten oder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht, selbst wenn diese wie zum Beispiel beim Computerspiel vermehrte Aufmerksamkeit abfordert, können die Anzeichen dieser Störung nicht oder nur in geringem Maße auftreten. Die Diagnose Hyperkinetische Störung wird zusätzlich erschwert,
da neben den Leitsymptomen bei zwei bis drei Drittel der Kinder und Jugendlichen
eine komorbide Störungen, sprich Begleiterkrankungen, vorhanden ist
(Döpfner, Frölich & Lehmkuhl, 2000; Remschmidt, 2004).
Woher kommt die Hyperkinetische Störung?Die Hyperkinetische Störung ist nicht durch eine einheitliche Ätiologie gekennzeichnet und bis heute ist auch kein passender genetischer Marker gefunden. Somit lässt sich die Störung nicht als nosologische Einheit begreifen und für ihre Entstehung muss somit eine multifaktorielle Genese, ein Zusammenspiel von biologischen und psychosozialen Faktoren, angenommen werden. Den biologischen Bedingungen werden in den letzten Jahren immer größere Bedeutung beigemessen, wobei der Einfluss von psychosozialen Faktoren wie etwa negative Interaktionen, ungünstige Umwelteinflüsse oder Familienkonflikte eher auf Verlauf, Ausprägungsgrad und Stabilität der Störung liegt (Furman, 2006; Remschmidt, 2004; Ettrich & Ettrich, 1993). Seit den letzten Jahren wird als wesentliche Ursache ein genetischer Defekt und/oder eine Störung zur Zeit der Gehirnentwicklung vermutet, der zu einer Störung des Neurotransmitter-Stoffwechsels, in erster Linie des Dopamin-Stoffwechsels, führt. Es wird angenommen, dass bei der Hyperkinetischen Störung im komplizierten Zusammenwirken verschiedener Hirnabschnitte im Bereich der Schaltstellen einzelner Nervenzellen, den Synapsen, die verantwortlichen Überträgersubstanzen, Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Glutamat oder GABA, nicht optimal wirken. Weiterhin konnte eine genetische Veranlagung festgestellt werden, da Geschwister, Eltern oder andere Verwandte ebenfalls mehr oder weniger selbst und Jungen zwei- bis dreimal häufiger als Mädchen betroffen sind. Aber auch frühkindliche Hirnschädigungen prä-, peri- und postnataler Art, sehr geringes Geburtsgewicht, Alkohol- oder Tabakkonsum der Mutter und virale Infektionen während der Schwangerschaft werden zu den Ursachen dieser Störung gezählt (Ettrich, 1998; Döpfner, Frölich & Lehmkuhl, 2000). Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel sowie Nahrungsmittelzusätze, insbesondere auf Farb- und Konservierungsstoffe, sind als Ursache entweder verworfen oder nur selten von zentraler Bedeutung (Döpfner, Frölich & Lehmkuhl, 2000). Wie man sieht, wirken bei der Entstehung psychophysiologische, erlebnisbezogene wie beispielsweise häufige Misserfolgserlebnisse sowie soziale Faktoren zusammen und somit kann die Hyperkinetische Störung im Rahmen eines Diathese-Stress-Modells erklärt werden (Lauth, Brack, Linderkamp (Hrsg.), 2001). Therapeutische Möglichkeiten der Hyperkinetischen StörungEin bereits wichtiger Schritt auf dem therapeutischen Weg ist eine gründliche Diagnostik, die zum einen zur konkreten Benennung der betreffenden Störung führt und zum anderen zur Entlastung bzw. „Entschuldung“ aller Beteiligten beiträgt, indem sich die Kinder und Jugendlichen verstanden, die Eltern als angenommen und die Lehrer nicht länger als pädagogisch unfähig fühlen [Ettrich, 1998]. Da sich diese Störung, wie bereits erwähnt, im Rahmen eines Diathese-Stress-Modells erklären lässt, ist ihre Behandlung auf einer biologisch-medizinischen, einer sozialen und der erlebnisbezogenen Ebene möglich. Bei der Behandlung wird ein multimodales Therapiekonzept angewendet, was bedeutet, es wird auf mehrere „Therapiebausteine“ bzw. verschiedene Therapieformen zurückgegriffen und diese nach Notwendigkeit des Einzelfalls aufeinander abgestimmt [Lauth, Brack, Linderkamp (Hrsg.), 2001]. Hierfür existieren Behandlungsstandards, welche die Rahmenbedingungen für die Therapie der hyperkinetischen Symptome definieren [Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie u.a. (Hrsg.), 2003; American Academy of Child an Adolescent Psychiatry, 1997]. Die multimodale Behandlung der hyperkinetischen Symptomatik in der Adoleszenz
umfasst als Interventionen in erster Linie psychoedukative Maßnahmen
für die Jugendlichen, die Eltern sowie das Umfeld, d.h. Aufklärung
über das Störungsbild und Erarbeitung eines angemessenen Erklärungs-
bzw. Bedingungsmodells für die Störung selbst. Weiterhin erfolgt
die störungsspezifische Behandlung von Familie und Jugendlichen unter
Einbeziehung des sozialen Kontextes (z.B. Schule) mit speziellem Elterntraining
zur Verminderung der Symptomatik. Darüber hinaus werden eine Reihe von direkt auf den Jugendlichen bezogenen Verfahren und Maßnahmen eingesetzt. Dies können medikamentöse Behandlungen (Pharmakotherapie), verhaltenstherapeutische Techniken, die auf dem Prinzip des operanten Konditionierens beruhen, Kompetenzvermittlungen im Rahmen der kognitiven Verhaltensmodifikation zur Vermittlung von Selbststeuerungsfertigkeiten oder das Selbstinstruktionstraining nach Meichenbaum [1979] zur Verminderung von impulsiven und unorganisierten Aufgabenlösungen sein. Zur Behandlung möglicher komorbider Störungen können ergänzende Interventionen wie Soziales Kompetenztraining bei sozialen Kompetenzdefiziten und aggressiven Verhaltensstörungen, Einzel- und/oder Gruppenpsychotherapie auf nondirektiver, tiefenpsychologischer oder verhaltenstherapeutischer Basis zur Verminderung von geringem Selbstwertgefühl und/oder Problemen mit Gleichaltrigen sowie Übungsbehandlungen zur Verminderung von umschriebenen Entwicklungsstörungen (z.B. Lese-Rechtschreibschwäche) durchgeführt werden. Weitere fakultative Behandlungsmöglichkeiten sind nach Ettrich
[1998] Entspannungsverfahren, Ergotherapie, psychomotorische Übungsbehandlung,
Bewegungserziehung nach Frostig, rhythmische Gymnastik, rhythmisch-psychomotorische
Musiktherapie, Psychodrama, Reiten und Voltigieren, sensorische Integrationsbehandlung,
Schwimmen, Formen der Kreativtherapie und diätetische Therapien. |
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